Michael in München, Optimal-Recordstore, Oct. 2000

Michael Hurley - Die Biographie

Der legendäre Folksänger Michael Hurley (voc., g., fiddle, piano) wurde am 20. Dezember 1941 im ländlichen Bucks County, Pennsylvania, nahe Philadelphia geboren. Er stammt aus einem musikbegeisterten Elternhaus, sein Vater war das, was man heute "Public Relations Manager" nennen würde und inszenierte später Operetten in Florida. Michael wuchs auf mit der Musik von Jelly Roll Morton, Fats Waller, Leadbelly und Josh White, später entdeckte er Rock´n´Roll, Fats Domino, Chuck Berry und Bo Diddley, dann begeisterte er sich für Hank Williams und alten Country Blues. Bald setzte er sein ganzes Geld in Singles um.

Als Jugendlicher trampte er durchs Land, nach New Orleans, New York und Mexiko, lernte Gitarre spielen. Schon damals trieb er sich mit seinen späteren musikalischen Weggefährten Jesse Colin Young (später Youngbloods), Robin Remaily und Steve Weber (später Holy Modal Rounders) herum. Ursprünglich wollte Michael zwar Schriftsteller werden, zunächst frönte er jedoch, der Zeit entsprechend, ausgiebig dem Hippie-Leben und hielt sich mit verschiedenen Gelegenheitsjobs über Wasser. Anfang der 60er Jahre lebte Hurley in New York. Im Frühjahr 1963, unmittelbar bevor er sich dort, auf dem Höhepunkt der Greenwich Village Folkszene, etablieren konnte - der Termin für eine erste eigene Plattenaufnahme war bereits vereinbart -, mußte er für ein halbes Jahr wegen einer schweren Lebererkrankung und Tuberkulose ins Krankenhaus.

Im Jahr darauf klappte es dann endlich mit der ersten Platte. Michael nahm seine "First Songs", einfache, poetische Lieder mit spärlicher Begleitung, für das berühmte Folkways Label auf. "Dort waren alle meine Helden", sagt er. Der Legende nach wurde die Platte auf derselben Bandmaschine wie Leadbelly´s "Last Sessions" eingespielt. Eigensinnig wie er war, kümmerte sich Michael in der Folge jedoch nicht etwa um die Promotion für die Platte oder den weiteren Verlauf seiner Karriere, sondern tauchte erst einmal ab in den Wäldern und Bergen von Vermont.

Dennoch kam er noch im gleichen Jahr, "wie die Jungfrau zum Kind", bei seinem allerersten Live-Konzert, ausgerechnet in der Carnegie Hall in New York zu einem Auftritt vor riesigem Publikum, wo er im Zuge der damals schwer angesagten Singer-Songwriter-Welle mit den großen Stars der Szene wie Johnny Cash, Buffy St. Marie, Phil Ochs und Jimmie Driftwood auf einer Bühne stand. Doch Michael lag weiterhin nicht viel an einem gewöhnlichen Folksänger-Dasein. Er verdingte sich lieber wieder in verschiedenen Jobs, in denen es ihn jedoch selten länger als zwei Monate hielt.

Anfang der 70er Jahre ermöglichte ihm sein Freund Jesse Colin Young, seine beiden nächsten Platten, "Armchair Boogie"und "Hi Fi Snock Uptown", auf Raccoon Records zu veröffentlichen, dem Kleinlabel, das der Mutterkonzern Warner Brothers damals der inzwischen erfolgreichen Country Rock Band "The Youngbloods" eingerichtet hatte. Beide LPs, Perlen mit skurril-bekifftem Folk, wurden von der Kritik hoch gelobt, sind jedoch längst vergriffen und heute nur noch als Cassetten und inzwischen auch als CD-R direkt bei Michael zu beziehen.

1976 wirkte Michael, zusammen mit den Holy Modal Rounders und Jeffrey Frederick & The Clamtones, an der berühmten LP "Have Moicy" mit, die auf dem neugegründeten Rounder Label erschien. Mit ihrem witzigen, weitgehend akustisch eingespielten Anarcho-Folk stieß die Platte allgemein auf Begeisterung; so wurde sie etwa von dem renommierten Kritiker Robert Christgau in der "Village Voice" als "the greatest folk album of the rock era" gefeiert. Damit erreichte sie schon bald nach ihrem Erscheinen einen ausgeprägten Kultstatus, so dass sich neben dem Kritikerlob erstmals in Michaels Musikerleben auch ein gewisser kommerzieller Erfolg einstellte. Unter eigenem Namen brachte Michael noch im gleichen Jahr, ebenfalls auf Rounder Records, die LP "Long Journey" heraus und vier Jahre später "Snockgrass". Beide Platten wurden inzwischen vom gleichen Label als CDs wiederveröffentlicht.

Zwischen seinen seltenen Plattenaufnahmen entzog sich Michael weiter standhaft den Verlockungen und Zwängen des Music Business, ging statt dessen lieber eigene Wege. Er reiste rauf und runter durch die Staaten, spielte allein oder mit Freunden in zahllosen kleinen Clubs und betätigte sich ansonsten u. a. als Hot Dog-, "Pretzel"- und Weihnachtsbaum-Verkäufer; er entwickelte eine Leidenschaft fürs Bierbrauen, brachte es zu einem versierten Automechaniker und widmete sich mehr und mehr auch der Malerei.

So erschien erst 1984 seine nächste LP, "Blue Navigator", als solche leider ebenfalls längst verschollen (das Master wurde gar ein Raub der Flammen) und nur noch als Cassette bzw. CD-R zu bekommen. "Watertower" wurde 1987 auf dem kleinen Fundamental Label veröffentlicht, auf Initiative seines großen Fans Eugene Chadbourne. In den folgenden Jahren nahm Michael mehrere Cassetten in liebevoll gestalteten Kleinserien auf, die er bei seinen Auftritten und per Post auch selbst vertreibt.

Musikalisch (und vielleicht auch sonst) lebt Hurley in einem eigenen Kosmos, der bevölkert wird von allerlei Fabelwesen, seine Sicht auf die Welt ist stets poetisch verklärt. Seine Lieder sind heiter, doch ohne schlichten Frohsinn, vielmehr geprägt von einer melancholischen Weisheit; seine Musik ist wunderbar lyrisch und sentimental, doch nie kitschig oder banal.

Ein Highlight in Michael Hurleys Karriere bildet ohne Zweifel seine 1994 bei dem kleinen Münchner Label Veracity erschienene CD "Wolfways", ein Meisterwerk, das einige seiner Klassiker und neue Songs voller Poesie und Magie versammelte. Sie machte Michael endlich auch in Deutschland einem größeren Publikum bekannt und verhalf ihm sogar in den USA zu einem "Revival". Wenig später beteiligte sich Michael mit seinem wunderschönen "Dialogue of Love" am gefeierten Folkmusik-Sampler "Love is my only Crime" des gleichen Labels. Seinen Auftritt auf der Kölner Musikmesse "PopKomm" von 1994 rühmte Detlef Diederichsen im "Spex" (12/1994) als "ein magisches Konzert, wenn ich je eins erlebt habe". Im Jahr darauf folgte endlich die erste größere Tour durch Deutschland, Österreich und die Schweiz.

1995 erschien die LP "Parsnip Snips" - Michael solo mit Stücken aus den Jahren 1965 bis ´72 - von der der Rezensent im "Spex" (6/1996) schwärmte: "... womöglich seine beste Platte. Ich bin im Mark getroffen. Hurleys Qualität ist definitiv eine spirituelle. Er ist wahrscheinlich ein großer Heiler, ein Schamane". Für den Musiker und Journalisten Thomas Meinecke (FSK/BR-"Zündfunk") ist Michael Hurley schlicht "der anrührendste Sänger der Welt".

Während Hurley sich treu geblieben ist, begeistert er gleichermaßen immer neue Generationen von Fans und Musikerkollegen. Er wird begleitet von Combos wie der Colorblind James Experience, geht auf Tour mit Bands wie Son Volt und erhält höchstes Lob von Stars wie Lucinda Williams, Vic Chesnutt und Calexico. Auf ihrem vielgepriesenen Album "The Covers Record" erweist Chan Marshall alias Cat Power neben Bob Dylan, Lou Reed und den Rolling Stones auch Michael Hurley mit einer Neufassung seines romantisch-verträumten Songs "Sweedeedee" ihre Referenz.

In den letzten Jahren gab Hurley weitere Gastspiele in Europa, tourte in England, Irland, Schottland, Skandinavien, Holland, Österreich und Deutschland. Auch die Frequenz seiner Veröffentlichungen hat sich erfreulicherweise weiter erhöht. 1998 erschien die CD "Bellemeade Sessions", eine Compilation mit raren Aufnahmen aus den letzten Jahren. Wesentlich gefördert wurde die Produktion von Brendan Foreman, Hurleys größtem Fan in Irland, der auch das liebevoll gestaltete Hurley Fan-Zine "Blue Navigator" editiert.

Die zweite irisch amerikanische Co-Produktion "Weatherhole" wurde 1999 mit einer echten "All-Star-Besetzung" eingespielt: Bassist Paul Watson ist Mitglied von Sparklehorse, ebenso wie Drummer Johnny Hott, der auch schon bei Cracker und Gutterball gespielt hat. Mit dabei sind u. a. Kevin Maul, und David Mansfield (Bob Dylan, Lucinda Williams), dazu noch einige alte Kumpels von Michael, wie etwa Dave Reisch von den Holy Modal Rounders.

Im Herbst 2000 war Michael Hurley neuerlich auf Tour in Deutschland live zu erleben. Um sein weiteres musikalisches Schaffen zu veröffentlichen, bemühten sich mittlerweile mehrere Plattenfirmen. Michael entschied sich schließlich für das exquisite Münchner Trikont-Label. Dort erschien Mitte 2002 seine neue CD "Sweetkorn".

Einhelliges Kritikerlob in der Fachpresse als Vorgeschmack auf die größte Michael Hurley Europa-Tour im Herbst 2002:

"Seine akustische Country-Songwriter Platte, auf welcher der Wolf wieder einmal in kristallklarer Reinheit aufheulen darf, zurückhaltender, aber irgendwie verliebter als zuletzt zeigt, was für ein schönes künstlerisches Credo dieses (Hurleys) Leben schafft. So klingt ein schöner Mensch." Spex 8/02

"...ein wundervoll schrulliges Album über die Freuden und Unwegsamkeiten des Lebens auf der Strasse ... Man sieht die amerikanische Landschaft aus Bluegrass, Folk, Country und Blues quasi vorbeiziehen." Rolling Stone 8/02, 4 Sterne

"Sweetkorn enthält die rührendsten und traurigsten Lieder, die in den letzten Jahren aus Amerika zu hören waren. Hurley träumt den Traum der Straße und spricht zu den Sternen ... Das ist Veranda Folk, Delta Blues nach ein paar zerfetzten Noten aus der Hosentasche, Lieder für Freunde und die letzten Hillbilly-Songs der Welt" Musik-Express 8/02, 5 Sterne